Britannia-Restaurant

Queen Mary 2: Restaurants, Entertainment, Spa & Fazit

Eines der optischen Highlight der Queen Mary 2 ist das Hauptrestaurant Britannia über zwei Decks und auf der oberen Ebene mit mehreren, terrassenartigen Abstufungen. Blickfang ist der riesige Wandteppich auf der einen und der Prunktreppe auf der anderen Seite.

So manche Passagier der separaten Suiten-Restaurants Princess Grill und Queens Grill hat sich da schon einen Tisch in diesem beeindruckenden Britannia-Restaurant gewünscht – allerdings ist das Essen in den Suiten-Restaurants noch einmal besser.

Das Essen ist auf der Queen Mary 2 insgesamt auf einem sehr hohen Niveau und am Gala-Abend kann man auch im Hauptrestaurant mit gutem, sibirischem Kaviar, Hummer und Chateaubriand rechnen. Küchenchef Klaus Kremer ist seit Jahrzehnten in der Kreuzfahrt eine feste Größe und hält die Qualität gleichbleibend hoch.

Britannia-Restaurant
Britannia-Restaurant

Der Schwerpunkt liegt, zumindest abends, auf der Queen Mary 2 klar auf den Bedien-Restaurants. Die Qualität im Buffet-Restaurant Kings Court steht dem in nichts nach, die Auswahl ist aber etwas geringer, als man das von Schiffen vergleichbarer Größe kennt. Reizvoll ist die Chef’s Galley als Teilbereich des Kings Court: dort werden Pizza und Pasta frisch nach Order zubereitet.

Sehr positiv ist auch das Design des Buffet-Restaurants bei der Renovierung 2016 gelungen. Helle Farben und ein relativ großzügiges Raumgefühl machen den Kings Court zu einem schönen Buffet-Restaurant, das besonders durch die verglasten Nischen zum Promenadendeck hin profitiert.

Kings Court Buffet
Kings Court Buffet

Eine interessante Alternative ist ein kleines Buffet in de Carinthia Lounge, wo es zum Frühstück, Lunch und nachmittags feine Snacks und kleine Gerichte gibt, die als leichte Alternative zu den Restaurants sehr lecker sind.

Flatbread und Seafood-Plate in der Carinthia Lounge
Flatbread und Seafood-Plate in der Carinthia Lounge

Und auch das Pub Lunch im Golden Lion Pub (siehe auch: „Hundegebell, Fish & Chips und Smoking“) ist eine Alternative zum Mittagessen. Anders, als man es in einem englischen Pub erwarten würde, sind die Portionen relativ klein und leicht.

Fish and Chips im Golden Lion Pub
Fish and Chips im Golden Lion Pub

Wenn das Wetter mitspielt, ist mittags außerdem das kleine Fast-Food-Restaurant „Boardwalk Café“ am Sonnendeck geöffnet.

Queen's Room - Afternoon Tea
Queen’s Room – Afternoon Tea

Und am Nachmittag gibt es Scones und Clotted Cream, englische Sandwiches, süße Häppchen und Tee, serviert von Kellnern in weißen Handschuhen, zum Afternoon Tea im Queens Room (siehe „Afternoon Tea, Ballett und Geburtstag an Bord der Queen Mary 2“).

Spezialitäten-Restaurants

Neben diesen im Reisepreis inkludierten Restaurants gibt es eine Handvoll Varianten mit Zuzahlung.

Ein Teilbereich des Kings Courts wird abends mit weißen Tischdecken eingedeckt und mit Bedienung am Platz zum „Alternative Dining“ mit wechselnden Themen – auf unserer Reise: La Piazza (italienisch), Smokehouse (amerikanisch), Bamboo (pan-asiatisch). Kosten: 19,50 Dollar, am ersten Abend 14,50 Dollar.

"Alternative Dining" im Kings Court Buffet
„Alternative Dining“ im Kings Court Buffet

Wir haben das „Smokehouse“ ausprobiert und waren ziemlich begeistert. Die Maryland Crab Cakes haben mit wirklich viel Krabbenfleisch überzeugt, die Coconut Crusted Shrimps waren zart und leben von dem feinen Pfirsich- und Mango-Chutney, die Memphis Style Baby Back Rips waren so zart, wie sie sein sollen und fallen quasi bei Berührung vom Knochen ab. Und auch die Nachspeisen waren lecker. Angenehm: Wer zwei Hauptgerichte probieren will, kann sich auch zwei halbe Portionen servieren lassen.

Verandah Restaurant
Verandah Restaurant

Das „Steakhouse at The Verandah“ bietet französische Spezialitäten – mittags für 25 Dollar, abends 39 Dollar pauschal, mit jeweils unterschiedlichen Speisekarten. Hier befand sich vor der Renovierung der Queen Mary 2 im Jahr 2016 übrigens das Steakhaus „Todd English“.

Godiva-Pralinen und Kaffee-Spezialitäten gibt es im nach dem Cunard-Gründer benannte Sir Samuel’s Godiva Café. Wer seinen Afternoon Tea etwas aufpeppen will, bekommt hier für ​15,50 Dollar einen Godiva Afternoon Tea inklusive Pralinen und Kuchen.

Sir Samuel's Godiva Café
Sir Samuel’s Godiva Café

Noch exklusiver zelebriert man den Afternoon Tea in der Champagner Bar. Dort wird ein- oder zweimal pro Reise ein Champagne Afternoon Tea angeboten – für 34,50 Dollar inklusive einem Glas Champagner, Harfen-Livemusik, einer Etagere mit englischen Sandwiches, Scones, feiner Confiserie und natürlich Tee (siehe auch: „Afternoon Tea mit Champagner, Gala-Dinner und ein unglaublicher Zufall“).

Aktuelle Getränkepreise und Informationen zu den Getränkepaketen finden Sie in unserem Beitrag „Getränkepreise und -pakete bei Cunard Line“.

Entertainment

Eine der Stärken der Queen Mary 2 ist Live-Musik in exzellenter Qualität. Selbst der Auftritt des Passagier-Chors am letzten Tag überrascht sehr positiv. Den sollte man nicht verpassen.

In den diversen Bars und Lounges spielen zwei Bar-Pianisten, eine Harfinistin, ein Duo im Pub, ein Streichquartett und das Bordorchester. Und selbst zum Lunch spielt in der Carinthia Lounge schonmal das achtköpfige Bordorchester Dixieland-Jazz.

Dixieland-Lunch in der Carinthia Lounge
Dixieland-Lunch in der Carinthia Lounge

Im Theater gibt es Kreuzfahrt-typische Production-Show und Gast-Entertainer auf gleichem Niveau wie etwa bei Holland America Line oder Princess Cruises – erfreulich oft mit Livemusik-Begleitung des Bordorchesters.

Auf unserer Reise war erstmals bei Cunard das English National Ballet mit einem umfangreichen Programm für eine Themenreise an Bord: Workshops und Tanzkurse, Podiums-Interviews mit den Künstlern und natürlich eine begeisternde Ballett-Show im Theater.

English National Ballet
English National Ballet

Das English National Ballet steht auch ein wenig symbolisch ist für den Stil des Entertainments an Bord der Queen Mary 2 – sehr hochwertig, aber weniger im Party-Ambiente, sondern eher klassische Unterhaltung, auch mit Klavierkonzerten, Streichquartett und Jazz.

Royal Court Theatre
Royal Court Theatre

​Ungewöhnlich und so nur auf der Queen Mary 2 zu finden ist das Planetarium. Denn neben dem Royal Court Theatre hat das Schiff ein zweites, großes Theater, das Illuminarium. Es wird für klassische Konzerte und als Kino genutzt, aber auch als Planetarium. Dafür wird in der Mitte eine kuppelförmige Leinwand heruntergelassen, die Theaterstühle unter diese Kuppel lassen sich sehr weit nach hinten umlegen, sodass man nahezu im Liegen auf die Projektionsfläche des Planetariums blickt.

Illuminations- Planetarium
Illuminations- Planetarium

Während der Reise werden unterschiedliche Programme angeboten, beispielsweise mit faszinierenden Bildern und Informationen zu dunkler Materie und auch eine Erläuterung des aktuellen Sternenhimmels, den man – klaren Himmel vorausgesetzt – mit dem Referenten abends dann auch am Deck beobachten kann. Die Planetarium-Shows sind kostenlos, man muss sich aber wegen der begrenzten Platzkapazität vorher Tickets besorgen.

Kabine

Balkonkabine 4203
Balkonkabine 4203

Unsere Kabine habe ich bereits im Beitrag „Hundegebell, Fish & Chips und Smoking“ beschrieben. Zusätzlich gibt es eine Bildergalerie zu unserer Balkonkabine auf Deck 4 und in den 360-Grad-Panorama-Bildern in Teil 1 sind auch Panoramen der Kabine, des Balkons und des Badezimmers enthalten.

Kids, Teens und Babys

Überraschend geräumig sind die Bereiche für Kids und Teens und am unteren Heck-Pool angesiedelt auch mit eine kleinen, eigenen Outdoor-Spielplatz, Kinderpool und einer zwar auch für die übrigen Passagier zugänglichen, aber mit speziellen Türen gesicherten Außenbereich an Deck.

The Zone: Kids & Teens
The Zone: Kids & Teens

​Wiederum recht ungewöhnlich und sehr praktisch: In der „Night Nursery“ kümmern sich Betreuerinnen abends bis spätestens Mitternacht um Kleinkind unter zwei Jahre. So können die Eltern einen sorglosen Abend beispielsweise in einer Bar, im Spezialitätenrestaurant oder einer Show verbringen. Der Service ist kostenlos.

Spa und Fitness-Center

Neben einem typischen Spa (Betreiber: Canyon Ranch) hat die Queen Mary 2 auch einen Thermal-Bereich mit Thalasso-Pool, Whirlpool, Dampf-, Kräuter- und finnischer Sauna, Regenwald-Duschen, Sprudel-Fußbad und einem Ruheraum mit Blick über das Promenadendeck aufs Meer. Lediglich Wärmeliegen, die es auf vielen anderen Schiffen im Thermalbereich gibt, vermissen wir hier.

Relaxation Room
Relaxation Room

Vergleichsweise günstig ist der Spa-Pass: Für 120 Dollar pro Person kann man den Thermal-Bereich des Spa die komplette Reise beliebig nutzen, was vor allem auf einer Transatlantik-Reise sehr attraktiv ist.

Wir haben Spa und Fitness-Studio bis auf einen Tag täglich genutzt: Zunächst Workout im Fitness-Studio (relativ moderne Geräte mit TV-Programm am Display, Bluetooth-Verbindung zum Smartphone) und dann zur Entspannung ins Spa (siehe auch: „Nebelhorn, Dixieland-Jazz und die mitreisenden Passagiere“). Alternativ oder zusätzlich zum Fitness Studio haben wir ausgedehnte Spaziergänge am Promenadendeck an der frischen Luft eingelegt – pro Runde 650 Meter, mit Blick aufs Meer, aber auch zum Beobachten der mitreisenden Passagiere bei deren Spaziergängen oder Jogging-Runden.

Fitness Studio
Fitness Studio

Sehr positiv: Im Spa gibt es ausreichend Schließfächer mit Zahlencode, Leih-Badeschlappen, Bademäntel und natürlich Handtücher. Man muss sich also nicht schon in der Kabine umziehen und dann im Bademantel durch die Kabinengänge wandern, sondern zieht sich erst im Spa um. Außerdem gibt es dort eine Wäscheschleuder für nasse Badekleidung. Da hat Cunard an alles gedacht.

Fazit

Unser Eindruck von der Queen Mary 2 vor sechs Jahren von einer Kurzreise von Southampton nach Hamburg war alles andere als erfreulich. Die Reise war sehr günstig angeboten worden, entsprechend hatten wir das typische Schnäppchenjäger-Publikum, entsprechend genervt-lustlose Crew und vor ihrer Renovierung 2016 hat auch das Schiff selbst an einigen Stellen wenig hergemacht, vor allem im Buffet-Restaurant, das damals eher einer Werkskantine glich.

Sundeck
Sundeck

Das „Crossing“ nach New York mit sechs Seetagen am Stück hat dagegen – erfreulicherweise – ein gänzlich anderes Bild der Queen Mary 2 gezeichnet: Ein sehr angenehmes Publikum, gediegenes, britisches Flair, exzellentes Essen, sehr gute Cocktails an den Bars, freundlicher Service und ein Schiff im klassischen Oceanliner-Stil machen besonders die Transatlantik-Route zu einem Erlebnis. Wer sich mit den wohl typisch britischen Ansteh-Schlangen arrangieren kann und sich in Bezug auf die etwas knappe Sitzplatz-Kapazität in den Bars zum Pre-Dinner-Cocktail antizyklisch verhält, genießt das „Crossing“ in vollen Zügen.

Promenadendeck
Promenadendeck

Ich persönlich habe auch nach dieser Reise die extreme Begeisterung für die Queen Mary 2, die oft fast schon mystische Überhöhung des Schiff noch nicht gänzlich verstanden. Aber die Queen Mary 2 ist ohne Zweifel ein ganz besonderes Schiff, mehr Ocean Liner als Kreuzfahrtschiff, mit vielen positiven Besonderheiten, die man anderswo nicht findet.

Für die Atlantik-Überquerung ist die Queen Mary 2 sicherlich das attraktivste Schiff, wenn man das „Crossing“ stilecht, ein wenig altmodisch-konservativ in gediegener Umgebung genießen will und abends eine elegante Gesellschaft in Anzug und Abendkleid, manchmal sogar Dinner Jacket und Smoking bevorzugt.

Anmerkung*: Cruisetricks.de fährt auf der Queen Mary 2 auf Einladung von Cunard Line.
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5 Kommentare

5 Kommentare zu “Queen Mary 2: Restaurants, Entertainment, Spa & Fazit

  1. Hallo! Zum Fazit „Unser Eindruck von der Queen Mary 2 vor sechs Jahren von einer Kurzreise von Southampton nach New York war alles andere als erfreulich.“ Da war doch sicher der 2-Nächte-Kurztrip Southampton-Hamburg (oder umgekehrt) gemeint, oder?

  2. Kann doch passieren, wenn man gerade im Schreibe-Flow ist *lg* Euch lag verständlicherweise New York quasi näher als Hamburg.

    Zum „Mythos Queen Mary 2“ und deren Überhöhung muss man, denke ich, vollständig auf die Ebene der Emotionen hinauf (oder herab) steigen. Rationalität ist hier eher kein funktionierendes Erklärmodell, aber wir alle wissen nur zu gut, dass die Kreuzfahrt schlechthin ein Geschäft ist, dass zu beinahe 100% das Gefühlsleben anspricht. Was würde uns überhaupt zum Reisen bewegen (wenn man von Ausbildungs-, Forschungs- und Geschäftsreisen einmal absieht) wenn nicht das „limbische System“ unseres Hirns?

    Ich finde, dass die Kreuzfahrt in Deutschland besonders durch die TV-Serie „Das Traumschiff“ initial emotionalisiert ist und mit extrem hohen Erwartungen überfrachtet wurde. Traumschiff, Traumurlaub, Traumwetter, Traumreise – es steht „Traum“ immer für das höchste an Glückserleben, das überhaupt vorstellbar ist. Mit einer „Traumcreme“ gelang es sogar einem Bielefelder Puddingkonzern, pure Lebensmittelchemie als etwas Wertvolles zu verkaufen. Hätten sich die Filmemacher wie bei amerikanischen Original „Love Boat“ etwas mehr im bodenständigen Mittelfeld bewegt, wäre der Blick auf die Kreuzfahrt anfänglich sicher realistischer gewesen. Per Rosamundepilcherisierung des deutschen Fernsehens aber scheinen die Produktionen gefangen in ihren Heile-Welt-Produktions-Endlosschleifen.

    Das deutsche Publikum war zu Beginn, als das „Traumschiff“ in die virtuelle See stach, eher nicht kreuzfahrtaffin: zu teuer, zu exklusiv, zu exotisch, während Briten und Amerikaner längst die Welt auf maritime Weise entdeckten. Bewundernde Überhöhung, so finde ich, wurde auch von „der AIDA“ gesprochen, noch immer, als es längst mehrere Schiffe gab und man sich Richtung Massenmarkt bewegte. „Da kommt die AIDA“ hört man heute noch häufig.

    Das deutsche Cunard-Büro musste nach eigener Aussage heftigst Überzeugungsarbeit leisten, damit es endlich im Juli 2004 zum Erstanlauf in Hamburg kam. Der Verkehr brach zusammen und geschätzte 250.000 Schaulustige hatten sich um 5 Uhr morgens (!!!) am Elbeufer versammelt, um den Ocean Liner zu bestaunen, der damals das größte Passagierschiff der Welt war, bis es von RCIs Oasis Class abgelöst wurde. Inzwischen gibt es schon Bücher über die „Liebe der Hamburger zur QM2“ und man spricht von Adoption durch die Hamburger. Jaja, wenn der Deutsche einmal liebt, dann gnadenlos…

    Als Ocean Liner verkörperte die QM2 sofort den alten Transatlantik-Traum der „guten Alten Zeit“, die in Wirklichkeit ja niemals für alle so gut war, denn sonst hätten Verarmte oder religiös Verfolgte nicht den gefährlichen Weg in die Ungewissheit der Neuen Welt angetreten oder jene, die vor Nazideutschland in die Neue Welt flohen. Wen sehen wir denn vor unserem geistigen Auge an der Reling winken? Wir sehen den Sultan von Brunei, Liz Taylor, Lady Di, Nelson Mandela, Sir Peter Ustinov und – auch wegen ihrer Route – denken wir an den Glamour der Titanic (die Tragik blenden wir natürlich aus). Ich kenne nicht wenige, die von der QM2 schwärmen, jedoch waren sie noch nie an Bord und betonen, dass sie es auch nicht in Erwägung zögen, da so etwas „nichts für sie“ sei. Damit kommt auch zum Ausdruck, dass man die Cunard-Schiffe einem gesellschaftlichen Niveau zuordnet, dem man sich nicht zugehörig fühlt (was natürlich, wie wir „Cunarder“ wissen, Unsinn ist).

    Wer von etwas schwärmt, das er nie mit eigenen Augen sah, neigt dazu, mit am Mythos zu stricken – und ich denke, dass genau das im Falle Queen Mary 2 immer noch in vollem Gange ist. Postete ich Fotos in Kreuzfahrtforen über meine Cunard-Reisen, z.B. vom Kapitänsempfang im Queens Room, dann hieß es despektierlich „Stock im Arsch“, und man wolle sich schließlich erholen im Urlaub, sich keinen Zwängen unterwerfen, schon gar nicht mit Anzug, Krawatte oder gar Smoking. Dass solch festliches Ambiente auch Vergnügen sein könnte, wird schlicht negiert, vielleicht auch eine Selbstschutzfunktion aus einer unterschwelligen Furcht vielleicht, sich auf diesem „Parket“ nicht standesgemäß benehmen zu können. Auch dieses ist ein Mythos. Herumstehen, ein Glas Sekt halten und nett gucken – das kann jeder. Und daran Teil nehmen „muss“ sowieso niemand.

    Sind die Erwartungen erst gigantisch, muss zwangsläufig eine Ernüchterung folgen, wenn Vorstellung auf Realität trifft. So fanden wir, als wir 2013 von Hamburg mit QM2 Richtung Nordkap fuhren, dass auch an Bord nur mit Wasser gekocht wurde, und inzwischen spricht man gar von der „Carnivalization“ Cunards, nachdem die Linie Ende der 1990er von Carnival PLC übernommen wurde. Am Neubau, der 2022 ausgeliefert werden soll als viertem Schiff, erkennt man deutlich, dass der Space-Pax-Ratio gegenüber den heute existierenden Schiffen reduziert wurde. Auch Cunard bewegt sich hier offenbar in Richtung Massenmarkt. Das Kings Court Buffetrestaurant beschrieben wir im Jahr 2013 auch mit dem Begriff „Werkskantine“, was sich nach der Renovierung und Kabinenerweiterung vor ein paar Jahren aber deutlich gebessert haben soll. Zwischenzeitlich haben mich die Buffets auf Victoria und Elizabeth sehr überzeugen können.

    Eine pragmatische Einstellung wäre nach meiner Ansicht, wie so oft, die beste Wahl, sich für überhöhten Erwatungen zu schützen und dennoch eine unvergessliche Reise auf einem einzigartigen Schiff zu haben, denn das ist die reife Dame immer noch, wenn sie unablässig durch den nördlichen Nordatlantik pflügt. Pragmatismus und Kreuzfahrt (das Thema Emotionen hatten wir schon) sind vermutlich nur schwer vereinbar, aber auch auf einer QM2 wird man nichts geschenkt bekommen. What you pay is what you get. Viel Schiff, viel Personal, vergleichsweise wenige Passagiere – das hat seinen Preis, und wer eine Princess oder Queens Grill Lounge bucht, dafür einen fünfstelligen Betrag hin blättert, der bekommt auch mehr – ein Prinzip, wie es auch bei AIDA oder MSC üblich ist.

    Wie immer, kann ich nur jedem raten, dass es den Horizont erheblich erweitert, wenn er die angestammten „Fahrwasser“ verlässt, über den Tellerrand schaut und mal etwas Neues probiert. Wer an den zwei großen und einigen kleineren deutschsprachigen Marken „klebt“, möge sich lösen und Celebrity, Princess oder Cunard testen. Niemandem wird im Britannia-Restaurant der Kopf abgerissen, wenn zum Gala-Dinner „nur“ Stoffhose, Sakko, Hemd ohne Krawatte getragen werden, Flipflops, Bermudas und Fußballtrikot jedoch passen hier nicht. Neue Erfahrungen brauchen oft Überwindung, jedoch berichten die allermeisten, dass die Belohnung den Aufwand immer wert war.

  3. Okay, aus diesem Blickwinkel verstehe ich es. Wenn man die ganze Geschichte der Ocean Liner in dieses Schiff hineinprojiziert, dann klappt das. Ich sehe das Schiff mehr für sich genommen. Da ist es immer noch ein sehr schönes Schiff mit viel Eleganz, das anderswo meist schon gänzlich verloren gegangen ist. Aber es ist eben auch nicht mehr als das und jedenfalls keine über den Wolken schwebende Lichterscheinung ;-) Das wird es nur mit ganz viel Träumen, die man da hineinlegt.
    Übrigens: Hieß diese Creme aus Bielefeld nicht „Paradiescreme“ (und gib es immer noch, nur neumodisch gegen alle Grammatik ohne Bindestrich „Paradies Creme“ geschrieben)? Oder gab’s wirklich auch eine „Traumcreme“? Aber ist ja auch egal, Bielefeld gibt’s ja ohnehin nicht ;-)

  4. Huch, stimmt… aus Bielefeld kam die Paradies-Creme, und steht das Paradies nicht noch über den Träumen? Aber ich wusste, da war was, ich hab’s gefunden – allerdings nur noch als retro-stylige Telefonkarte (wobei die Telefonkarten selbst schon Retro sind, hihi): https://colnect.com/de/phonecards/phonecard/194796-Maizena_Markenartikel_-_Majala_Traumcreme_1_Schokolade-Chip_O-Deutsche_Telekom-Deutschland

    Bei der QM2 ist ganz viel Projektion dabei, denke ich, vor allem bei denen, die nie auf dem Schiff waren.

    Spiegel-Artikel von 2014 zum 10. Hamburg-Jubiläum: https://www.spiegel.de/reise/aktuell/kreuzfahrt-queen-mary-2-und-hamburg-zehn-jahre-hafenliebe-a-981381.html

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